Nachrichten - Berichte

 

 

Beiträge der einzelnen
Glaubensgemeinschaften
zum Tag der Religionen 31.05.2026

Bahá'í

Verkehrt darum, o meine liebenden Freunde, mit allen Völkern, Geschlechtern und Religionen der Welt in höchster Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Treue, Güte, voll Wohlwollen und Freundlichkeit, damit die ganze Welt des Seins vom heiligen Entzücken der Gnade Bahá’u’lláhs erfüllt werde, damit Unwissenheit, Feindschaft, Hass und Groll aus der Welt verschwinden und die Finsternis der Entfremdung zwischen den Völkern und Geschlechtern der Welt dem Lichte der Einheit weiche. Sind andere Völker und Nationen euch gegenüber treulos, so erweist ihnen Treue; sind sie ungerecht gegen euch, so erweist ihnen Gerechtigkeit; halten sie sich von euch fern, so zieht sie zu euch hin; zeigen sie sich feindselig, so seid freundlich zu ihnen; vergiften sie euch das Leben, so versüßt ihnen die Seele; verletzen sie euch, so seid ein Balsam für ihre Wunden. Das sind die Tugenden der Aufrichtigen! Das sind die Tugenden der Wahrhaftigen!

'Abdu'l-Bahá, Wille und Testament, # 24

 

Gleichheit und Brüderlichkeit müssen unter allen Gliedern der menschlichen Gemeinschaft herrschen. Das entspricht der Gerechtigkeit. Die allgemeinen Menschenrechte müssen geschützt und festgeschrieben werden.1.3:16
Alle Menschen müssen gleich behandelt werden. Dies ist im Wesen des Menschen angelegt.

'Abdu'l-Bahá, 'Abdu'l-Bahá in London, # 1.3:16-17

 

Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit. Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiss sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann. Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten. Bedenke im Herzen, wie du sein solltest. Wahrlich, Gerechtigkeit ist Meine Gabe und das Zeichen Meiner Gnade. So halte sie dir vor Augen.

Bahá'u'lláh, Verborgene Worte, arabisch, # 1.2:1

Evangelische Kirche

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus …“

Ist nicht dies ein Handeln, wie es mir gefällt: Unrechtsfesseln öffnen, Jochstricke lösen,
Misshandelte als Freie entlassen, jedes Joch zerbrecht ihr!
Geht es nicht darum? Mit Hungrigen dein Brot teilen, umherirrende Arme führst du ins Haus!
Wenn du Leute nackt siehst, bekleidest du sie, vor deinen Angehörigen versteckst du dich nicht.
Dann wird dein Licht wie die Morgenröte hervorbrechen, eilends wächst deine Wunde zu.
Dann wird deine Gerechtigkeit vor dir hergehen, der Glanz Gottes sammelt dich auf.
Dann wirst du rufen, und Gott wird dir antworten. Du schreist um Hilfe, und Gott wird sagen: »Hier bin ich!«
Wenn du aus deiner Mitte das Joch wegräumst, das Fingerzeigen und die üble Nachrede, und wenn die Niedergedrückten sättigst,
dann wird dein Licht in der Finsternis aufstrahlen, deine Dunkelheit wird wie der Mittag sein.
Dann wird dich Gott beständig leiten, den unbändigen Durst deiner Lebenskraft stillen und deine müden Knochen wieder munter machen.
Dann wirst du wie ein bewässerter Garten sein und wie eine Wasserquelle, deren Wasser nicht täuschen.

Jesaja 58,6–10

 

Zeige uns, Gott, deine Freundlichkeit.
Dein Befreien lass uns zuteil werden.
Ich will hören, was Gott sagt –
Gott, unbestritten, verkündet: Frieden
seinem Volk und denen, die Gott lieben,
dass sie sich nicht zur Mutlosigkeit wenden.
Ja! Nahe ist sein Befreien denen, die Gott ergeben sind,
dass glanzvolle Würde in unserem Land wohne.
Freundlichkeit und Verlässlichkeit treffen aufeinander.
Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.
Verlässlichkeit wird aus der Erde sprießen,
Gerechtigkeit vom Himmel herabschauen.
Auch gibt Gott das Gute. Unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor dem Antlitz Gottes her
und setzt zu einem Weg ihre Schritte.

Psalm 85,11ff.

 

„Diejenigen, die viele zur Gerechtigkeit weisen, werden leuchten wie die Sterne.“

sinngemäß aus einem biblischen Wort, das Argula zitiert

Argula von Grumbach (1492–1554),

einer der wichtigsten reformatorischen Frauen

 

Hinduismus

Im Hinduismus gibt es einen Satz, der vor 3000 Jahren aufgeschrieben wurde und heute immer noch wichtig ist:

,,Vasudhaiva Kutumbakam" -

Die Welt ist eine Familie.

 

Nicht eine Gemeinschaft. Nicht eine Gesellschaft. Eine Familie.

 

Im Hinduismus glauben wir, dass in allem Lebendigen derselbe göttliche Gedanke wohnt, das Atman, die Seele. Wer diesen Funken in sich findet, erkennt ihn auch in anderen. Der Fremde wird zum Bruder, die Fremde zu Schwester, weil wir etwas haben, was wir beide teilen.

 

Das ist nicht nur eine Idee, sie hat Folgen im Leben. Der Begriff Ahimsa („Gewaltlosigkeit") kommt genau aus dieser Erkenntnis. Man verletzt keine Geschwister, man betrügt sie nicht und man lässt Geschwister nicht hungern. So gehen wir miteinander um.

 

Doch zu einer Familie gehört noch ein weiterer, entscheidender Aspekt: Die Vielfalt.

Wir vergleichen die Religionen oft mit verschiedenen Pfaden, die alle denselben Berg hinaufführen. Der Blick vom Gipfel- die Erfahrung des Göttlichen und des Friedens - ist für alle gleich, auch wenn die Wege dorthin unterschiedlich aussehen.

 

So auch hier: Jede unserer Religionen sucht nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Jede von uns lehrt Mitgefühl, Liebe und die Würde des Lebens.

 

Wenn wir Vasudhaiva Kutumbakam ernst nehmen, dann fangen wir an, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Darum sind wir hier keine Fremden, sondern wir sind alle Geschwister.

 

Muslime

Eûzûbillahimineşseytanirracim, Bismillahirrahmanirrahiym

Yãã eyyûhelleziyne ãmenû kûnû. Gavvemiyne lillahi şũhedaaaa'e bilgist;

velâ tecrimenne küm. Şenaeû ǵavmin âlaaaa ellâ tagdilû, igdilû nũve akrabû litteġvã,

vetteġûllah innellahe habiyrûmbima taġmelune

 

Der Islam lehrt uns, eine friedvolle, eine gerechte Welt anzustreben. Eine zentrale Botschaft des Korans ist es, Gerechtigkeit zu fördern. So heißt es in Sure 5, Vers 8: „O ihr, die ihr glaubt, seid standhaft für Allah als Zeugen der Gerechtigkeit und lasst euch nicht davon abbringen, gerecht zu handeln“.

Auch der Prophet Mohammed  f.s.a.i.s.  betonte in einem Hadith: „Die besten Menschen sind diejenigen, die den Menschen am meisten nützen.“ Die Werte führen uns dazu, Empathie, Fairness und Mitgefühl in unserem Handeln zu verankern. Wen wir diese Prinzipien als Muslime in unseren Alltag einbringen, schaffen wir eine Welt, in der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Hand in Hand gehen. So wird unser Zusammenleben auf dieser schönen Welt, auf der wir uns befinden wirklich auf Frieden und Gerechtigkeit gegründet. 

 

 

Sikhi - Wer sind die Sikhs?

Hallo zusammen,

 

heute möchte ich euch die Religion Sikhi vorstellen. Viele Menschen kennen Sikhs vor allem durch ihre Turbane oder ihre langen Haare. Doch hinter diesen äußeren Merkmalen steckt eine Religion mit einer tiefen Botschaft von Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

Die Sikhi entstand vor über 500 Jahren im Punjab; einer Region im heutigen Indien und Pakistan. Gegründet wurde sie von Guru Nanak Dev Ji, der im Jahr 1469 geboren wurde. Guru Nanak Dev Ji lehrte, dass es nur einen Gott gibt, der Schöpfer aller Menschen ist. Deshalb sind alle Menschen gleich und verdienen denselben Respekt - unabhängig von ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrem sozialen Status.

Die Anhänger dieser Religion nennt man Sikhs. Das Wort „Sikh" bedeutet „Lernender", oder „Schüler". Ein Sikh ist also jemand, der sein Leben lang versucht, von den Lehren der Gurus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

 

Insgesamt gab es zehn menschliche Gurus. Jeder von ihnen trug dazu bei, die Sikh-Gemeinschaft aufzubauen und die Lehren weiterzugeben. Der zehnte Guru, Guru Gobind Singh Ji, bestimmte vor seinem Tod den Guru Granth Sahib Ji zum ewigen Guru der Sikhs. Deshalb wird der Guru Granth Sahib Ji nicht einfach als heilige schrltt angesehen, sondern als der lebende Guru in Schriftform. Bis heute orientieren sich Sikhs an seinen Lehren und begegnen ihm mit demselben Respekt, den sie einem Guru in menschlicher Gestalt entgegenbringen würden.

 

Ein zentraler Gedanke der Sikhi ist die Gleichheit aller Menschen. Zur Zeit der Gurus war das Kastensystem in Indien weit verbreitet. Menschen wurden je nach ihrer Geburt in unterschiedliche Gruppen eingeteilt und oft ungleich behandelt. Die Sikh-Gurus lehnten dieses System entschieden ab.

Ein Zeichen dafür sind die Namen Singh und Kaur. Sikh-Männer tragen den Namen Singh, was „Löwe" bedeutet, und Sikh-Frauen den Namen Kaur, was „Prinzessin" bedeutet. Früher konnte man oft anhand des Nachnamens erkennen, welcher Kaste eine Person angehörte. Durch die Namen Singh und Kaur sollte deutlich gemacht werden, dass alle Menschen gleichwertig sind und niemand aufgrund seiner Herkunft bevorzugt oder benachteiligt werden darf.

 

Die Gleichheit aller Menschen zeigt sich auch im Langar. Das ist die Gemeinschaftsküche in einem Gurdwara, also einem Sikh-Gotteshaus. Dort werden kostenlose Mahlzeiten für alle Menschen angeboten. Jeder darf kommen, unabhängig von Religion, Herkunft oder sozialem Status. Dabei sitzen alie auf derselben Höhe nebeneinander. So wird sichtbar gemacht, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.

 

Die Sikhi beruht außerdem auf drei wichtigen Lebensprinzipien:

Naarn Japna bedeutet, sich an Gott zu erinnern und eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Dies geschieht durch Gebet, Meditation und das Nachdenken über Gottes Namen und Eigenschaften.

Kirat Karni bedeutet, ehrlich zu arbeiten und seinen Lebensunterhalt auf faire Weise zu verdienen. Ein Sikh soll verantwortungsvoll handeln und niemanden ausnutzen.

Vand Chhakna bedeutet, das, was man besitzt, mit anderen zu teilen. Dazu gehört nicht nur Geid, sondern auch Zeit, Wissen und Hilfe für Menschen, die Unterstützung brauchen.

Diese drei Prinzipien zeigen, dass die Sikhi nicht nur eine Religion für Gebete ist, sondern eine Lebensweise, die sich im täglichen Handeln ausdrückt.

Viele Sikhs tragen außerdem die sogenannten fünf Ks. Diese sind äußere Zeichen des Glaubens und erinnern an wichtige Werte wie Disziplin, Verantwortung, Mut und die Verbundenheit mit Gott. Dazu gehören ungeschnittene Haare, ein Holzkamm, ein Armreif aus Eisen oder Stahl, eine spezielle kurze Hose und ein kleiner Zeremonialdolch.

 

Ein weiterer wichtiger Wert der Sikhi ist das selbstlose Dienen, auch „Seva" genannt. Sikhs versuchen, anderen Menschen ohne Gegenleistung zu helfen. Das kann zum Beispiel durch ehrenamtliche Arbeit im Gurdwara, die Zubereitung von Essen für den Langar oder durch Hilfe für Bedürftige geschehen. Seva soll zeigen, dass jeder Mensch Verantwortung für die Gemeinschaft trägt.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Sikhi eine Religion ist, die an einen Gott glaubt und die Werte Gleichheit, Ehrlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft in den Mittelpunkt stellt. Sikhs versuchen, diese Werte nicht nur zu predigen, sondern sie jeden Tag in ihrem Leben umzusetzen. Dadurch soll eine gerechtere und friedlichere Gesellschaft entstehen.